Es geht früh raus, ich treffe mich wieder mit Stefano Aguiar, der nicht nur super Fotos machen kann, sondern auch ein echter Brasilien-Kenner ist. Er erzählt mir sehr viel über Rios Geschichte.

Es geht in eines der ältesten Restaurants von Rio de Janeiro. Restaurant Colombo since 1894.

Wie ich dort eintreffe, ist sehr viel los. Die Leute kommen hier nicht nur her, um Kaffee zu trinken, sondern auch um sich das geschichtsträchtige Gebäude anzusehen. Aber ich möchte eigentlich zu Mr. Orlando…

 

Mr. Orlando ist der älteste Kellner im Restaurant, seit 65 Jahren macht er diesen Job, mit 14 hat er als Putzjunge angefangen. Nach einiger Zeit durfte er dann auch den ersten Kaffee servieren. Man sah, dass er Talent hatte, so wurde er „on call waiter“. Mit viel Leidenschaft wurde er dann zum richtigen Kellner in der Confiteria Colombo.

Während Stefano übersetzt, sieht mich Orlando an und sagt in seinem gebrochenen Englisch: „But stepi by stepi.“ Auch zum Maître wollte er nicht aufsteigen, er ist so glücklich. „Es ist auch lustig für mich. Ich kenne schon den Urgroßvater von meiner jetzigen Chefin. Ich bin ein Teil vom Colombo.(…) Ich wollte immer, dass mein Sohn ebenso diesen wundervollen Job macht, aber nach einiger Zeit hab ich gesehen, dass er nicht für diesen Beruf gemacht ist. Deshalb hab ich ihm gesagt, er solle einen Job ausüben, in dem er wirklich glücklich ist.“

Was ist das Härteste an deinem Job? – „Dass ich immer nett sein muss zu meinen Gästen. Egal, wie es mir geht, ich muss immer gut gelaunt sein und darf meinen Gästen nichts anmerken lassen. Aber das noch größere Problem sind die jungen Leute, die die Profession des Servierens nicht mehr so respektieren, wie das ältere Leute meistens tun. Sie glauben, dass Kellner zu sein nur ein Hinbringen des gekauften Produktes ist, aber es ist viel mehr als das.“

 

Arbeiten viele junge Leute in diesem Job? – „Das Colombo war immer schon eine Art „Gastro-Schule“, aber ich sehe, dass immer mehr junge Leute diesen Job nur kurzfristig ausüben und dass auch nur wegen der Bezahlung.(…) Ich habe in diesen Jahrzehnten auch viele wichtige Gäste empfangen dürfen. Angefangen von meiner Frau, die ich vor 51 Jahren hier kennengelernt habe, bis hin zur Queen Elisabeth oder drei Generationen der brasilianischen Präsidenten.“

 

An was denkst du, wenn du „Österreich“ hörst? – „Sound of Music, gutes Bier, und jetzt auch das Österreich Haus, habe ich mir sagen lassen.“ Er zwinkert mir zu.

 

Du durftest heuer auch das Olympische Feuer tragen – warum? – „Ich habe ein Anruf vom Major House bekommen und sie meinten, dass ich eine Legende in Rio sei und auf der Liste der Auserwählten stehe, die das Olympische Feuer tragen dürfen. Ich habe sehr viele Freunde bei den Behörden, deshalb dachte ich, sie wollen sich einen Scherz erlauben. Ich habe dann aufgelegt. Doch nach dem zweiten Anruf war mir klar, dass es ernst gemeint war!“

Am Nachmittag durfte ich zum Basketball Semi-Finale Frankreich gegen USA fahren. Ich habe mich riesig gefreut! Das letzte Mal habe ich so ein mega Basketball-Match der Amerikaner in der Türkei bei der WM 2010 in Istanbul gesehen.

 

Draußen ging’s auch schon Rund:

  • Warteschlangenlänge: über 800 Meter lang
  • Wartezeit: mehr als 2 Stunden
  • Besucheranzahl: über 60.000